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Deutsche Schäferhunde "vom Wolfsfriede"
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Ellenbogendysplasie

Vorkommen und Ursachen

Quellen: wikipedia.org Externer Link, dawgbusiness.blogspot.com Externer Link, Dr. Siegrid Schleich Externer Link

Die Ellenbogendysplasie wird polygenetisch vererbt. Der genaue Erbgang und die beteiligten Gene sind bisher nicht bekannt. Somit steht auch kein Gentest zur Erkennung der betroffenen Tiere zur Verfügung. Der Nachweis der Erkrankung erfolgt über eine tierärztliche Untersuchung. Der Verein für Deutsche Schäferhunde hat daher seit 2004 die Röntgenuntersuchung der Zuchttiere als Zuchtvoraussetzung eingeführt. Der Grad der Vererbbarkeit ist für Rüden größer als für Hündinnen und wird je nach Rasse und Population mit 0,1 bis 0,7 angegeben.

Manifestationen

Eine Ellbogendysplasie entsteht, wenn die gelenkbildenden Knochenteile nämlich Oberarmknochen (Humerus), Elle (Ulna) und Speiche (Radius) nicht exakt genug zueinander passen. Die ungenaue Passform oder Inkongruenz führt zu Umbauvorgängen am Ellbogengelenk mit den gelenkbildenden Knochenteilen (Osteoarthrose). Dies führt dann zu einer Sklerosierung der Knochen und zur Ausbildung von Knochenauswüchsen (Osteophyten) . Bei geringer Inkongruenz der Gelenkflächen ist die Osteoarthrose das einzige Anzeichen einer Ellbogendysplasie, darüber hinaus können aber noch weitere Veränderungen auftreten.

(1) Stufenbildung zwischen Elle (Ulna) und Speiche (Radius), (2) Isolierter Processus anconaeus, (3) Fragmentierter Processus coronoideus, (4) OCD des medialen Condylus

Anatomie

Das Ellbogengelenk, ein sogenanntes Scharniergelenk, besteht aus drei verschiedenen Knochenanteilen, die zusammen das Gelenk bilden: der Oberarmknochen (Humerus), die Elle (Ulna), die an der Rückseite des Vorderlaufes verläuft, und die Speiche (Radius), die die Hauptlast des Gewichts (etwa 80%) trägt. Alle Teile des Gelenks müssen korrekt ausgebildet sein um perfekt ineinander zu passen.

Die proximale Gelenkfläche wird von der Gelenkwalze des Oberarms gebildet. Diese wird vom oberen Anteil der Elle umfasst, die eine halbmondförmige Aussparung aufweist, wobei sie im oberen Teil den Processus anconeus als zapfenförmigen Fortsatz aufweist und nach unten in einem außen gelegenen kleineren Processus coronoideus lateralis und innen in einem größeren Processus coronoideus medialis (innerer und äußerer Kronfortsatz) ausläuft. Diese beiden unteren Fortsätze umgreifen wiederum den Radiuskopf, dessen Gelenkfläche ca. 80% des Körpergewichtes trägt (die beiden Processus coronoidei zusammen übernehmen ca. 20 %).

Ellenbogendysplasie ist ein Oberbegriff für mehrere mögliche Störungen, die einzeln oder in Kombination am Ellenbogengelenk auftreten können.

1. Fragmentierter medialer Processus coronoideus ulnae (FCP), dabei ist der innen liegende Kronfortsatz der Elle abgelöst.
2. Osteochondrosis dissecans am Condylus medialis humeri (OCD), Knorpelabläsung am innen liegenden Rollhöcker des Oberarmknochens
3. Isolierung des Processus anconaeus (IPA), Ablösung des Ellenbogenfortsatzes der Elle, ein Teil der Elle, der an der Gelenkbildung beteiligt ist, verschmolz nicht mit dem restlichen Anteil der Elle.
4. Inkongruenz der Gelenkflächen

Ein gleichzeitiges Auftreten mehrerer dieser Komplikationen ist häufig.

FCP und Stufenbildung

Fragmentierter Processus coronoideus (roter Pfeil) und Inkongruenz der Gelenkflächen (gelber Pfeil), Osteoarthrose der Ulna (weißer Pfeil)

Fragmentierter Processus coronoideus medialis ulna

Als Ursache für eine fragmentiere Ablösung des Processus coronoideus medialis ulnae (FCP) werden verschiedene Ursachen diskutiert.
- Wachstumsverzögerungen der Speiche mit einer daraus resultierenden Verkürzung derselben, was zu einer verstärkten Belastung der Elle führt mit nachfolgender Sklerosierung der Elle, Deformierung und anschließend Ablösung
- Verfrühter Epiphysenschluss des Radiuskopfes
- Gestörte Feindurchblutung durch eine mechanisch induzierte Sklerose des Knochens im Bereich des Kronfortsatzes
Die Erkrankung tritt frühestens im Alter von fünf bis sieben Monaten auf, wird aber unter Umständen nicht gleich bemerkt, so dass die Tiere erst im zweiten Lebensjahr dem Tierarzt vorgestellt werden. Klinisch zeigen die Tiere eine Lahmheit nach stärkerer Belastung oder auch nach längerer Ruhe. Der Ellenbogen wird zur Seite ausgestellt. Bei der Untersuchung zeigt sich eine Schmerzhaftigkeit bei stärkerer Streckung und Beugung im Gelenk.

Osteochondrosis dissecans humeri

Eine Osteochondrosis dissecans kommt am Ellenbogengelenk fast nur am medialen, also innen liegenden Rollhöcker des Oberarmknochens vor. Sie entsteht im Alter von fünf Monaten und ist dann meist beidseitig. Häufig betroffen sind Golden Retriever und Rottweiler. Häufig tritt diese Form der Ellenbogendysplasie zusammen mit einem fragmentierten Processus coronoideus auf.

Isolierter Processus anconaeus

Ein selbständig isolierter Processus anconaeus ist eine erblich bedingte Ossifikationsstörung. Die Verschmelzung zwischen Elle und ihrem Processus anconaeus, der ein eigenes Ossifkationszentrum hat, findet normalerweise im Alter von 18 bis 24. Woche statt. In diesem Alter besteht aufgrund einer verminderten Elastizität die Gefahr eines teilweisen oder vollständigen Abrisses aufgrund eines Traumas oder das Ausbleiben desn Knochenschlusses aufgrund hoher körperlicher Aktivität. Ein vermindertes Knochenwachstum der Elle wird ebenfalls als Ursache diskutiert sowie eine erhöhte Zufuhr von Calcium und Phosphat. Häufig sind Rottweiler und Deutsche Schäferhunde betroffen sowie häufiger Rüden als Hündinnen. In 60% der Fälle tritt eine IPA einseitig auf.

Die Diagnose erfolgt anhand eines Röntgenbildes in Beugestellung. Zu beachten ist, dass der Processus anconaeus erst im Alter von 6 Monaten mit der Elle verschmilzt.

Klassifizierung

Entsprechend der International Elbow Working Group (IEWG) wird lediglich das Ausmaß der Arthrose zur Beurteilung des Schweregrades herangezogen. Das Auftreten spezifischer Läsionen wie OCD, IPA oder FPC wird lediglich vermerkt und nicht für die Klassifizierung verwendet.

Schweregrad Kriterien
Grad 0, normal keine Osteophyten
Grad I, milde Arthrose Osteophyten kleiner als 2 mm oder Skleosierung der Gelenkflächen
Grad II, moderate Arthrose Osteophyten zwischen 2 und 5 mm groß
Grad III, schwere Arthrose Osteophyten größer als 5 mm

Therapie

Losgelöste Knochen- oder Knorpelteile bei FCP, IPA oder OCD sollten chirurgisch entfernt werden, da sie einen ständigen Reiz auf das Gelenk ausüben. Diese Entfernung sollte möglichst früh erfolgen, bevor eine Arthrose auftritt. Ein isolierter Processus anconaeus (IPA) kann mittels Drähten fixiert werden. Anschließend muss das Tier über einen längeren Zeitraum ruhig gehalten werden. Bei zusätzlicher Inkongruenz im Bereich des Gelenkes reicht dies nicht aus. Dann wird meistens auch die Elle durchtrennt (Osteotomie) um eine Arthrose zu verhindern. Alle operativen Maßnahmen können meist das Fortschreiten der Erkrankung nicht verhindern. Eine Nutzung als Begleithund ist möglich, von stärkerer Arbeit wie bei Gebrauchshunden wird jedoch abgeraten.
Nicht steroidale Antiphlogistica wie Carprofen (Rimadyl) wirken schmerz- und entzündungshemmend. Die Wirksamkeit von alternativen Therapien wie Akupunktur, Goldakupunktur, Homöopathica ist bisher nicht bewiesen. Eine tägliche Verabreichung von Gelatine soll die weitere Entwicklung hinauszögern.

Vorbeugende und züchterische Maßnahmen

Wegen der hohen Vererbbarkeit sollen Tiere mit einer Ellenbogendysplasie von der Zucht ausgeschlossen werden. Es wird eine Zuchtwertschätzung eingeführt. Hierzu werden die Zuchttiere in einem Mindestalter von 12 Monaten geröngt und von anerkannten Gutachtern beurteilt. Die Röntgenaufnahmen erfolgen im mediolateralen Strahlengang in Beugehaltung (40-90°) sowie craniocaudal in 15° Supination (Außenrotation). Besser ist es zwei mediolaterale Aufnahmen in Beugehaltung von 40° und 100-120° zu machen, weil sich so ein isolierter Processus anconaeus (IPA) besser nachweisen lässt.
Quellen: Wikipedia Externer Link