Fortpflanzung
Quellen: FU-Dissertation Kap. 1 und 2, siehe Anhang, Der weibliche Sexualzyklus, Band 8, Ausgabe 55, Fritz Strauss
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Überblick
Für einen erfolgreichen Zuchteinsatz ist die Kontrolle der Läufigkeit von entscheidender Bedeutung. Dieser Teil des Zyklus kann jedoch bei den einzelnen Hündinnen sehr verschieden ablaufen.
Der Zyklus wird in vier unterschiedliche Phasen eingeteilt. Die Zeit zwischen den Sexualzyklen wird als Anoestrus bezeichnet. Er stellt eine längere Phase der vollkommenen sexuellen Ruhe zwischen zwei Zyklen dar. Dem Anoestrus folgt der Prooestrus. Hier wachsen im Ovar (Eierstock) die Follikel (Eizelle mit Hülle) heran. Auch die übrigen Genitalorgane sind überaus aktiv. Die Steuerung dieser Vorgange erfolgt über das Hypophysenhormon FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und unterliegt einer negativen Rückkoppelung durch die Sexualhormone. Die Aktivität der Genitalorgane wird über die Wirkungen der Sexualhormone (Oestrogene und Progesteron) vermittelt. Auf den Prooestrus folgt der Oestrus (griech: verrückte Lust), die Hitze. Hier oder kurz danach kommt es zur Ovulation (Eisprung). Als oberstes Steuerungsorgan ist der Hypothalamus anzusehen, der über sogenannte Releasing Hormone die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) zur Freisetzung der Gonadotropine (LH, FSH) anregt. Diese Gonadotropine wiederum steuern die Hormonproduktion in den Sexualorganen. Der Oestrus geht mehr oder weniger schnell in den Metoestrus über. Werden im Oestrus die ausgestoßenen Eizellen nicht befruchtet, wird kein hormonproduzierendes Corpus luteum (Gelbkörper) gebildet und die oestrischen Veränderungen an den Genitalorganen bilden sich zurück. Es folgt dann der Anoestrus, in dem jedoch bereits wieder Follikel heranreifen.
Der Zyklus der Hündin
1. PROOESTRUS
Die Zeit zwischen dem ersten Austreten von blutigem Sekret aus der Vulva und dem Einsetzen der Paarungsbereitschaft.wird als Prooestrus bezeichnet. Die Dauer beträgt 5-12 Tage. Dabei reifen in den Eierstöcken (Ovarien) die Eizellen (Follikel) heran. Das überwiegende Hormon im Prooestrus ist das Östradiol. Es steigt im Prooestrus auf Werte von etwa 40-80 pg/ml an und sinkt dann wieder auf unter 9 pg/ml ab. Nach dem Tag der maximalen Östradiol-Konzentration steigt das Progesteron an und leitet den Oestrus ein. Zu Beginn des Prooestrus liegen die Progesteronwerte unter 1 ng/ml und steigen dann zu Beginn des Oestrus sprunghaft an. Wenn die Werte über 1 ng/ml ansteigen kündigt sich die Luteinisierungsphase mit der Ovulation an.
2. OESTRUS
Hier erfolgt der Eisprung (Ovulation) und der Gelbkörper (Corpus luteim) bildet sich aus, der für die Aufrechterhaltung der Schwangerschaft entscheidend ist. Die Dauer beträgt ebenfalls 7-10 Tage. In dieser Zeit ist de Hündin paarungsbereit. Dies geht einem Anstieg des LH (Luteinisierendes Hormon), das aus dem Hypophysenvorderlappen stammt. Der Beginn des Oestrus liegt 1 Tag vor bis 3 Tage nach der Spitze des LH (Luteinisierendes Hormon). Der Gipfel des LH-Wertes ist flach und hält 24-48 Stunden an. Zeitgleich kommt es zur ersten Duldung des Rüden. Zwei Tage später erfolgt die Ovulation. Die Progesteronwerte steigen an und liegen zum Zeitpnkt der Ovulation bei 3,3 +/- 2,1 ng/ml. Gegen Ende des Oestrus liegen die Progesteronwerte bei 24 ng/ml. Der Oestrus endet mit der Ende der Duldung des Rüden.
3. METOESTRUS
Im Anschluss an die Ovulation bildet sich der Gelbkörper aus und bleibt ca. 9 Wochen bestehen. Die durchschnittlichen Progesteronwerte liegen bei 34 ng/ml, unabhängig davon ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Die Gebärmutterschleimhaut regeneriert sich während des Metoestrus. Sind die Reparationsvorgänge abgeschlossen, ist der Metoestrus beendet. Der Metoestrus geht in den Anoestrus über, wobei dies äußerlich nicht erkennbar ist.
4. ANOESTRUS
Ruhephase der Gebärmutter. Im Anschluss daran beginnt der Zyklus neu. Die Östradiolwerte liegen bei 9 pg/ml, Progesteron bei unter 1 ng/ml. Das Hypophysenhormon FSH (Follikelstimulierendes Hormon) ist relativ hoch, um das Wachstum der Eizellen in den Follikeln anzuregen. Die LH-Werte (Luteinisierendes Hormon) steigen vor Beginn des Prooestrus ebenfalls schon leicht an.
Hormonelle Regelung und Deckzeitpunkt
Östrogene werden von den in den Ovarien heranreifenden Follikel gebildet. Sie verursachen die Blutung aus der Gebärmutterschleimhaut.,die Produktion der Duftstoffe (Pheromone), die den Rüden heranlocken sollen und die Veränderungen an den äußeren Sexualorganen. Gegen Ende des Prooestrus sind die Östrogenwerte am höchsten. Es kommt zur Freisetzung von LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikel stimulierendes Hormon) aus der Hypophyse.und in Folge nach 2-3 Tagen zum Eisprung. Während des Eisprung werden die Follikel freigesetzt und wandern durch die Eileiter (Tuben) zur Gebärmutter. In dieser Zeit reifen sie heran und sind etwa 2-3 Tage nach dem Eisprung befruchtungsfähig. Bereits vor der Ovulation bildet sich unter dem Einfluss von LH (Luteiniisierendes Hormon) der Progesteron produzierende Gelbkörper (corpus luteum) in den Eierstöcken aus. Der Anstieg des Progesterons kann somit zur Voraussage des Eisprungs herangezogen werden.
Der optimale Decktermin liegt bei den meisten Hündinnen zwischen dem 12. und 16. Tag der Läufigkeit, kann jedoch noch weiter variieren (9.-19. Tag). Der befruchtungsfähige Zeitraum der Eizellen beginnt 2-3 Tage nach der Ovulation und hält 2-3 Tage an. Da die männlichen Samen recht langlebig sind (bis zu 200 Stunden), kann eine erfolgreiche Besamung auch schon vor dem Eisprung erfolgen. Der günstigste Decktermin ist jedoch 2-3 Tage nach der Ovulation.
Die angegebene Dauer der verschiedenen Zyklusphasen sind nur Durschnittswerte und können bei den einzelnen Hündinnen deutlich variieren. Es empfiehlt sich daher Aufzeichnungen zu machen. Die Zeit vom Prooestrus bis zur Ovulation wird mit 12 Tagen +/- 4 Tage angegeben, individuelle Schwankungen von 6-30 Tagen wurden festgestellt. Der Zeitpunkt der Ovulation kann durch den beginnenden Progesteronanstieg festgestellt werden. Die Eizellen sind dann 2-3 Tage nach dem Eisprung befruchtungsfähig. Der Progesterontest weist die stattgehabte Ovulation nach. Da die Befruchtung erst 2-3 Tage nach der Ovulation erfolgen kann, ist genügend Zeit zur Planung vorhanden.
Etwa 24-72 Stunden vor der Ovulation kommt es zu einem Anstieg des LH (Luteinisierendes Hormon). mit Maximalwerten von 10-22 ng/ml. Der LH-Anstieg kündigt die Ovulation somit an. In der Praxis lässt sich LH jedoch schwer bestimmen. Ersatzweise wird daher Progesteron genommen, das indirekt auf LH und die Ovulation schließen lässt. Progesteron zwischen 2-4 pg/ml liegt zum Zeitpnkt des LH-Anstiegs vor. Eine Besamung sollte dann 4-5 Tage später erfolgen. Ein Wert um 5 pg/ml zeigt an, dass die Ovulation erfolgt ist und die Eizellen heranreifen. Als Richtwert für den optimalen Decktermin gilt ein Wert um die 10 pg/ml, 2-4 Tage nach der Ovulation. Den Verlauf der beteiligten Hormone zeigt die nachstehende Grafik.
Die Trächtigkeit
1. DIE BEFRUCHTUNG
In der Phase des Oestrus erfolgt der Eisprung, der mit der Paarungsbereitschaft einhergeht. Es dauert dann noch 2-3 Tage in der die Follikel heranreifen und befruchtungsfähig werden. Die Befruchtungsfähigkeit bleibt über 3-4 Tage erhalten. Der optimale Decktermin liegt somit 2-5 Tage nach der Ovulation. Häufig werden Hündinnen schon vor dem Eisprung belegt.
2. PHASE DER EINNISTUNG
Etwa 7 Tage nach dem Eisprung kommen die befruchteten Eizellen in der Gebärmutter an. Sie verteilen sich und am 16. Tag erfolgt die Einnistung in der Gebärmutter mit Ausbildung der Plazenta (Mutterkuchen). Dieser ist gürtelförmig an der Gebärmutter verankert und kann als runde Form bis zum 35. Tag getastet werden.
3. NACHWEIS DER TRÄCHTIGKEIT
Vom 24.-28. Tag lassen sich die eingenisteten Embryonen mit der Plazenta als 1-2 cm große kugelige Vorwölbungen am Bauch tasten. SIcherer und ungefährlicher ist die Ultraschalluntersuchung ab dem 21., besser 28. Tag. Röntgenaufnahmen sind für den Fötus potentiell schädlich und sollten erst nach dem 50. Tag durchgeführt werden.
4. DAUER DER TRÄCHTIGKEIT
Die Zeit zwischen Eisprung und Geburt beträgt 62-64 Tage, die Trächtigkeitsdauer, d.h. die Zeit zwischen Belegung und Geburt variiert mit 56-72 Tagen mehr. Hündinnen, die vor dem Eisprung belegt wurden, haben eine verlängerte Tragezeit. Hündinnen, die nach dem Eisprung belegt wurden, ist die Tragezeit auf 58-60 Tage verkürzt.
5. HORMONE IN DER TRÄCHTIGKEIT
Im Prooestrus überwiegt die Östrogenwirkung. Kurz vor dem Eisprung ist der Gipfel der Östrogenspiegel erreicht. Die Östrogene bewirken die äußerlichen und inneren Veränderungen an den Geschlechtsorganen. Nach dem Eisprung kommt es zu einem Anstieg des Progesterons, das im Gelbkörper gebildet wird. Dieser Anstieg wird herangezogen.zur Bestimmung des Decktermins. Die höchsten Progesteronwerte sind 20-30 Tage nach dem Eisprung erreicht. Sie sind für die Erhaltung der Trächtigkeit erforderlich. Progesteron verhindert Gebärmutterkontraktonen (Wehen), verschließt den Muttermund und fördert die Gewebeanbindung an der Gebärmutter, die zur Ernährung der Feten erforderlich ist. Gegen Ende der Schwangerschaft sinkt der Progesteronspiegel und der Einfluss der Östrogene überwiegt wieder.
Die Geburt
Es wird die Eröffnungs-, bzw. Vorbereitungsphase sowie die Austreibungsphase unterschieden. Gegen Ende der Schwangerschaft nimmt der Einfluss der Östrogene zu, diese bewirken eine Lockerung der Gewebe und ermöglichen so die Geburt.
1. DIE ERÖFFNUNGSPHASE
In der Eröffnungsphase kommt es zu leichten Kontraktionen der Gebärmutter. Die Kontraktionen laufen wellenförmig vom hintersten Welpen in Richtung Muttermund. Allmählich löst sich die Plazenta und der Welpe wird gegen den Muttermund gedrückt. Zu diesem Zeitpunkt wird die Hündin vielleicht unruhig, hechelt und schaut sich zu den Flanken um. Manchmal tritt auch etwas Schleim aus, was die Öffnung des Muttermundes signalisiert. Diese Phase kann 6-12 Stunden, manchmal auch 36 Stunden dauern. Fruchtwasser tritt noch nicht aus.
2. DIE AUSTREIBUNGSPHASE
In der Austreibungsphase wenn der Welpe den Muttermund passiert hat zerreist in der Regel die äußere Fruchthülle und die Austreibungswehen setzen ein, die durch Bauchpressen unterstützt werden. Die Zeit zwischen Platzen der äußeren Fruchthülle und Austreten des Welpen kann ca. 10 Minuten, manchmal auch deutlich mehr betragen. Etwas mehr als die Hälfte der Welpen (ca. 60%) werden mit dem Kopf voran, der Rest mit den Hinterläufen voran geboren. Nach der Geburt befreit die Hündin den Welpen durch Belecken von den restlichen Fruchthüllen und durchbeißt die Nabelschnur. Etwa 5-15 Minuten nach der Geburt folgt die Plazenta als sog. Nachgeburt, die von der Hündin i.d.R. aufgefressen wird. Ebenso wird das Fruchtwasser von der Hündin aufgeleckt. Bei mehreren Welpen werden die Welpen abwechselnd aus dem rechten und linken Horn der Gebärmutter ausgetrieben. Die Welpen können im Abstand von 15 Minuten geboren werden. Manchmal macht die Hündin eine Pause von einigen Stunden, in denen sie die bereits geborenen Hunde versorgt. Die Gesamtdauer von 12 Stunden sollte nicht überschritten werden.
3. NACH DER GEBURT
Nach der Geburt bildet sich die Gebärmutter wieder auf ihre ursprüngliche Größe zurück. Eine Zeitlang bleibt ein Ausfluß bestehenen. Dieser kann anfangs grünlich, später schleimig, lachsfarbig sein. Nach vier Wochen sollte kein Ausfluß mehr vorliegen. Die Gebärmutter hat sich dann wieder verkleinert und ist wieder für einen neuen Zyklus bereit.
Quellen:
Physiologie und Pathologie des Zyklus der Hündin,
goericke-pesch-agrh.pdf [50 KB]
Untersuchungen zur Embryogewinnung beim Hund,
kienzle_beate_k..pdf [681 KB]
